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Evangelische Kirche Karlsruhe
Thomas Hildenbrand mit David-Skulptur
Der suchende König
 
Ein Interview mit Bildhauer Thomas Hildenbrand.
Er gestaltete unsere David-Skulptur.
Das Interview führte Alfred Godulla.
 
Eine lebensgroße Skulptur, ein Kunstwerk aus Holz, ein suchender König David wird in Karlsruhe im Herbst an verschiedenen Orten präsent sein. Die biblische Figur soll zum Stadtgespräch werden, sie soll wie selbstverständlich zum Alltag gehören und somit für die Aktion „Liebe, Mut und Gottvertrauen ... David“ der evangelischen Stadtkirche zur Symbolfigur werden.
Im Atelier: Thomas Hildenbrand im Gedankenaustausch mit Pfarrer Dirk Keller
Im Atelier: Thomas Hildenbrand im Gedankenaustausch mit Pfarrer Dirk Keller
 
Bildhauer Thomas Hildenbrand hat diese eindrucksvolle Skulptur erschaffen – und das ist kein Zufall. Abgesehen davon, dass einige seiner Arbeiten bereits dreimal auf der art-Karlsruhe zu sehen waren, kennt Pfarrer Keller von der Karlsruher Evangelischen Stadtkirche ihn von Jugend an – und zwar aus ihrer gemeinsamen Zeit in Mosbach im Odenwald. Pfarrer Keller organisierte dort mit ihm eine Ausstellung und beauftragte ihn mit einer Luther- Skulptur für das Mosbacher Lutherhaus.
 
 
Thomas Hildenbrand, 1980 in Eberbach am Neckar geboren, lernte Holzbildhauer in Oberammergau, beschäftigte sich intensiv im Württembergischen Landesmuseum mit historischer Bildhauertechnik und hatte Arbeitsaufenthalte in diversen europäischen Ländern. Seine Werke waren zudem auf der Kunst Zürich und der Cologne Fine Art zu sehen, und sie stehen beispielsweise in Sas Fee, Würzburg, Stuttgart, Frankfurt. Er bekam unter anderem den 1. Preis beim Europäischen Gestaltungspreis für Holzbildhauer und wurde vom Schnell & Steiner Verlag mit dem Kulturpreis für Kunst und Ethos ausgezeichnet.
David Miniatur
Hildenbrand lebt mit seiner Familie in dem kleinen Dorf Ilshofen bei Schwäbisch Hall in einem alten Dorfhaus. Ein kleines Nebengebäude nutzt er als seine Atelierwerkstatt, in der es angenehm nach Holz und Kaffee riecht und in der er in entspannter Atmosphäre einige Fragen beantwortete.
Das Interview
Alfred Godulla: Herr Hildenbrand, was bewirken Bildhauer in der heutigen Zeit?
 
Thomas Hildenbrand: Meine Skulpturen sind sehr emotional und ich freue mich, wenn ich den Betrachter auf dieser Ebene erreichen kann. Bei einer lebensgroßen Figur ist es ja direkt ein körperliches Gegenüber – das ist doch ein kraftvolles Medium im Vergleich zu den vielen virtuellen Ein- drücken. Natürlich geht es mir aber auch um den ästhetischen Genuss.
 
Haben Sie eine moralische Absicht mit Ihrer Bildhauerei?
 
Gegenständliche Arbeiten wirken sehr direkt auf den Betrachter und lösen bei jedem Menschen ganz unterschiedliche Assoziationen aus. Ich selbst halte es für vermessen, dem Betrachter eine Botschaft zu diktieren. Die Interpretation eines Werkes darf so vielfältig sein, wie die Menschen, die es betrachten.
 
Sie sind evangelischer Christ. Hat das Einfluss auf Ihre Arbeiten? Ich denke da auch an Ihre engelartigen Skulpturen mit Flügel.
 
Ich bin in einem streng evangelischen Haushalt aufgewachsen. Was mich dort im Bezug auf meine heutige Arbeit geprägt hat war wohl vor allem die große Armut an Bildern. „Du sollst dir kein Bildnis machen“ wurde hier fast wörtlich genommen. Das hat meine Bildersehnsucht nur noch verstärkt.
 
Die Bildwelt der katholischen Kirche, die ich dann während meiner Ausbildung in Oberammergau kennenlernte, hat mich unglaublich beflügelt. Ich habe das Gefühl, dass sich die evangelische Kirche bis heute mit der gegenständlichen Kunst, dem „Abbild“, teilweise eher schwer tut. Umso mehr freue ich mich über dieses Projekt.
 
Wann und wie haben Sie Leidenschaft für das Holzbildhauen entdeckt?
 
Relativ früh mit 10 oder 11 Jahren hatte ich schon diese Faszination des Erschaffens und Formens. Mit den Küchenmessern meiner Mutter (ver- botenerweise nur mit den Neuen – weil die am schärfsten waren) habe ich fast alles beschnitzt, was mir in die Finger kam. Natürlich habe ich auch gemalt und gezeichnet, aber die Körperlichkeit und Sinnlichkeit einer plastischen Form, eines körperlichen Gegenübers, haben mich absolut gefesselt.
 
Der Schnitt eines scharfen Messers, der Geruch des Lindenholzes, das „Herantasten“ an einen Körper sind für mich bis heute sehr starke sinnliche Momente.
 
In Oberammergau haben Sie an der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer ihr Handwerk erlernt. Inwieweit hat die Schule auch Ihre spätere künstlerische Einstellung beeinflusst?
 
Beeinflusst haben mich ein paar hervorragende Lehrer, die ich dort hatte und natürlich die Oberbayerische Barockskulptur. Meine Ausbildung war noch ganz geprägt von der sehr reduzierten Formensprache der Nachkriegszeit. Die Lehrer waren streng darauf bedacht, uns von der dortigen Tourismus- und Kitschindustrie fernzuhalten.
 
Ich war beeindruckt von der großen Ernsthaftigkeit und Konsequenz einiger Lehrer. Obwohl ich heute ganz anders arbeite, prägt mich das immer noch.
 
Die Ausbildung sollte Sie auch dazu befähigen, „im eigenen Atelier selbständig den Schritt auf den Kunstmarkt zu wagen.“ Doch dazu gehört neben dem Können auch viel Mut, sein Leben als Künstler zu bestreiten – und natürlich auch das Glück, die richtigen Kontakte zu bekommen. Wie war Ihr Einstieg in den Kulturmarkt?
 
Ich habe mich viel mit historischer Bildhauerei beschäftigt und konnte meine Euphorie und Begeisterung dafür in einen großen künstlerischen Schaffensdrang umwandeln.
 
Außerdem war mir sehr früh klar, dass ich nichts anderes machen möchte – da ging es mir nie um Absicherungen. Wenn man den ganzen Tag mit Spaß und Begeisterung arbeitet, kann man auch ein paar magere Jahre gut aushalten.
 
Wie ist die Frankfurter Galerie Mühlfeld & Stohrer aufmerksam geworden, mit der Sie schon mehrmals auf der art-Karlsruhe zu sehen waren?
 
Ich hatte zuerst eine Gastausstellung dort über einen anderen Kunsthändler. Kurt Mühlfeld und ich konnten von Anfang an sehr gut zusammen arbeiten.
 
Sie machen Skizzen in Ihrem Notizenbuch, Zeichnungen lebensgroß auf Plakate und auch ein kleines Modell aus Ton. Wie lange arbeiten Sie an einer Skulptur?
 
David Skulpturen - Skizzen
 
Die Entwurfsarbeit zieht sich teilweise über eine längere Zeit hin. An einer lebensgroßer Figur arbeite ich dann am Holz 2 bis 3 Monate.
 
Als Bildhauer haben Sie sich für das Material Holz entschieden. Ein Fehler beim Schnitzen lässt sich beim Holz oft korrigieren – Stein verzeiht keine Fehler, er ist strenger.
 
Ein guter Bildhauer macht keine handwerklichen Fehler. Der gesamte Gestaltungsprozess ist beim Holz aber doch sehr spielerisch. Das Material hat hervorragende statische Eigenschaften, lässt sich relativ schnell bearbeiten, sehr gut korrigieren.
 
Figuren aus Holz haben für Sie einen volksnahen Charakter – aus Stein einen eher repräsentativen. Was bedeutet für Sie in diesem Zusammenhang volksnah?
 
Betrachtet man die Kunstgeschichte, sind Skulpturen aus Holz oft sehr emotional, erzählerisch und wirken sehr direkt auf den Betrachter. Allein durch ihre Farbigkeit, entweder durch eine farbige Fassung oder auch nur durch die Holzfarbe, sind sie viel näher am menschlichen Körper, als z.B. Stein- oder Bronzeoberflächen.
 
Die Auswahl des richtigen Holzes ist sicher nicht einfach. Verlassen Sie sich ausschließlich auf Ihre Erfahrung?
 
Nicht nur. Manchmal suche ich direkt mit dem Förster einen Baum im Wald aus, manchmal verlasse ich mich auf die Tipps meines Holzhändlers, der mich auf für mich interessante Holzversteigerungen aufmerksam macht.
 
Das Holz, dass Sie verarbeiten, ist frisch. Haben Sie keine Angst, dass es reißt?
 
Bei der Größe meiner Figuren reißt das Holz schon. Man kann es bei den kleinen Rissen belassen oder entsprechend nachbearbeiten. Im Mittelalter wurden größere Figuren deshalb ausgehöhlt, um dadurch Trocknungsrisse zu vermeiden.
David Werkzeuge
Traditionelle Werkzeuge zum Schnitzen und Bildhauern der Holzskulpturen.
 
David Studien
Dem Original gehen vielfältige Skizzen, Zeichnungen und Tonstudien voraus.
 
Gibt es eins, mit dem Sie besonders gerne arbeiten?
 
Lindenholz in der Tradition der Süddeutschen Holzbildhauerei, kommt meinen Materialansprüchen am nächsten.
 
Ganz auf Farbe wollen Sie bei Ihren Skulpturen wohl nicht verzichten?
 
Das entscheide ich im Arbeitsprozess. Die Farbe kann eine Form sehr stark beeinflussen; unruhig machen oder auch abschwächen. Das ist ein starkes zusätzliches Gestaltungs- und Stilmittel. In letzter Zeit bin ich relativ reduziert mit der Farbe umgegangen, das kann sich aber auch jederzeit ändern – da bin ich sehr ergebnisoffen.
 
Wie frei sind Sie in Ihrer künstlerischen Arbeit? Muss man Kompromisse eingehen. Wie weit muss man die Wünsche des Auftraggebers berücksichtigen?
 
Die größten Kompromisse muss ich mit mir selbst eingehen. Ich bin sehr selbstkritisch. Natürlich ist die Bildhauerei oft an Auftragssituationen und bestimmte Aufstellungsorte gebunden. Gegebenheiten, die sich manchmal auf den ersten Blick als schwierig und einengend darstellen, können oft auch eine große Bereicherung im Gestaltungsprozess sein.
 
 
 
Das Glück bei dieser Arbeit ist, dass ich als Künstler ja meist gerade wegen meiner künstlerischen Position beauftragt werde, das bietet doch große Freiheit.
 
Die Skulptur, die Sie für die König-David-Veranstaltungsreihe der evangelischen Stadtkirche Karlsruhe erschaffen, betiteln Sie als „Der suchende König“. Warum nicht einfach „König David“?
 
Ich wollte die Arbeit von Anfang an an nicht auf die Darstellung einer bestimmten Person reduzieren. Die historische David-Figur ist für mich viel mehr ein Sinnbild für die menschlichen Stärken und Schwächen, für Sehnsüchte und Hoffnungen eines Herrschenden und auch dessen Scheitern und die Brüchigkeit seiner Macht.
 
Herr Hildenbrand, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.für das Gespräch.
 

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Evangelische Kirche Karlsruhe
Das David-Projekt 2018. Ein Projekt der Evangelischen Kirche Karlsruhe. Unter Leitung von Pfarrer Dirk Keller, Pfarrer an der Evangelischen Stadtkirche Karlsrhe. Evangelisches Pfarramt der Alt- und Mittelstadtgemeinde, Kreuzstr. 13, 76133 Karlsruhe, Telefon 0721 / 9 20 49 16, Telefax 0721 / 20 53 82, dirk.keller@stadtkirche-karlsruhe.de, www.stadtkirche-karlsruhe.de, www.david2018.de